Kinder im Straßenverkehr reagieren anders.

  • Kinder haben ein engeres Blickfeld als Erwachsene, es ist nach rechts und links stark eingeschränkt. Seitlich herankommende Fahrzeuge bemerken sie daher erst spät.
  • Kinder können beim Laufen nicht nach links und rechts schauen und auch nicht bei Gefahr abrupt stehen bleiben.
  • Kinder können nicht über parkende Autos hinwegsehen. Sie sehen weniger und werden auch weniger gut gesehen.
  • Kinder unterscheiden nicht zwischen Sehen und Gesehen werden. Wenn sie ein Auto sehen, sind sie überzeugt, dass sie auch gesehen werden.
  • Kinder können Geräusche nur schlecht orten. So erkennen sie oft nicht rechtzeitig, aus welcher Richtung zum Beispiel Hupzeichen oder Motorengeräusche kommen.
  • Kinder können Geschwindigkeiten und Bremswege erst im fortgeschrittenen Grundschulalter einigermaßen richtig abschätzen.
  • Kindern ist nicht bewusst, dass Fahrzeuge einen Anhalte- und Bremsweg haben.
  • Kurze Beine und kleinere Schritte: Kinder brauchen wesentlich länger, um eine Fahrbahn zu überqueren.
  • Kinder reagieren schnell „kopflos“, wenn sie auf mehrere Dinge gleichzeitig achten müssen.
  • Kinder reagieren spontan und überlegen nicht. Sie rennen oft einfach los, wenn auf der anderen Straßenseite Freunde warten.
  • Kinder nehmen nur die Dinge wahr, die sie gerade interessieren. Andere Geschehnisse werden nicht wahrgenommen oder als unwichtig erachtet.

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

Verkehrsregeln

  • Viele Kinder kennen die einfachen Verkehrsregeln. In komplizierten Situationen (Überqueren einer stark befahrenen Straße, Radfahren auf einem zugeparkten Gehweg) können Kinder aber oft nicht angemessen reagieren.

Kinder als Radfahrer

  • Das Bayerische Staatsministerium des Innern empfiehlt den Kindern (und deren Eltern), dass sie erst dann alleine im Straßenverkehr Fahrrad fahren, wenn sie an der Verkehrserziehung in der Jugendverkehrsschule teilgenommen haben. Sie wird in der Schule in der 4. Jahrgangsstufe durchgeführt. Dort lernen die Kinder das richtige Verhalten mit dem Fahrrad im Straßenverkehr. Zusätzlich üben sie hier nicht nur im Schonraum (einem Verkehrsübungsplatz), sondern zum Abschluss auch noch auf der „richtigen“ Straße.
  • Kinder sollen nur mit Schutzhelm radeln!

Was bedeutet das für Sie als Erwachsener?

Seien Sie Vorbild! Kinder lernen durch Nachahmen!

  • Bringen Sie als Eltern Ihren Kindern rechtzeitig vor Schulbeginn die wichtigsten Verhaltensregeln bei, damit diese möglichst bald selbständig am Straßenverkehr teilnehmen können.
  • Überqueren Sie die Straße immer nur an den sichersten Stellen (Ampeln, Zebrasteifen), auch wenn damit ein kleiner Umweg verbunden ist. An Zebrastreifen müssen wir alle, nicht nur die Kinder, erst Blickkontakt zu den herannahenden Autofahrern aufnehmen, bevor der erste Schritt auf die Straße getan wird.
  • Halten Sie als Fußgänger auch bei wenig Verkehr grundsätzlich erst an der Bordsteinkante an und orientieren sich dann nach links, rechts und wieder links.
  • Wenn Sie Ihr Kind mit dem Auto zur Schule bringen, sollten Sie es nur in einem zugelassenen, altersgerechten Kindersitz transportieren und nur nach rechts, zur Gehwegseite, aussteigen lassen.
  • Eltern sollten die beste Route bzw. den besten Weg zum Kindergarten oder zur Schule immer gemeinsam mit den Kindern festlegen und einüben. Lassen Sie sich von Ihrem Kind führen, damit Sie sehen, was es bereits kann und in welchen Situationen es noch unsicher ist.
  • Die Schul- und Kindergartenkinder sollten morgens frühzeitig nach einem richtigen Frühstück aus dem Haus gehen. Stress und Eile sind gefährlich. Auch „Gefühlsbeladen“ aus dem Haus zu stürmen, ist nicht gut. Angst, Trauer und Wut nehmen völlig Besitz von Kindern und bestimmen maßgeblich ihr Verhalten – auch im Straßenverkehr.
  • Kinder sollten im Straßenverkehr stets helle Kleidung tragen. Ein Anorak oder ein Schulranzen mit reflektierenden Materialien bringt zusätzliche Sicherheit.
  • Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind eine Zeitspanne, wann Sie es zum Essen erwarten. Kinder, die immer ganz pünktlich zu Hause sein müssen, können Verspätungen und Verzögerungen nur durch Hast und Eile ausgleichen. Ein ruhiges Nachfragen nach dem Grund des Zu spät kommen hilft weiter.

Beobachten Sie die Kinder auf ihren Wegen:

  • „Stürmen“ Ihre Kinder auf die Gehwege und vielleicht sogar auf die Straße?
  • Gehen Ihre Kinder alleine oder mit Freunden?
  • Wählen Ihre Kinder Umwege (z. B. zu einem Geschäft)?
  • Lassen sich Ihre Kinder durch Spiele, Hüpfen, Toben oder Gespräche vom Straßenverkehr ablenken?

Halten sich Ihre Kinder nicht an die vereinbarten Regeln, so hilft Tadel kaum weiter und hat oft einen gegenteiligen Effekt. Ein Gespräch, auch mit Freunden und anderen Eltern, über mögliche Gefahrenpunkte und das nochmalige Üben der Wege ist das geeignete Mittel.

Alle Erwachsenen sollen für die Kinder Vorbild sein. Helfen auch Sie mit, Unfälle im Straßenverkehr zu vermeiden!