Gifte – besonders gefährlich für Kinder

Jährlich müssen rund 2.000 Kinder nach einem Vergiftungsunfall in einem österreichischen Spital behandelt werden. 75 Prozent der betroffenen Kinder sind höchstens drei Jahre alt. Kleinkinder erforschen ihre Umwelt hauptsächlich mit dem Mund. Ihr Geschmacksinn ist noch nicht voll entwickelt, daher merken sie oft erst zu spät, daß sie etwas geschluckt haben, das ihnen nicht bekommt (Schluckreflex).

Verätzungen sind Gewebezerstörungen, die durch Einwirkung von Laugen und Säuren hervorgerufen werden. Der Grad der Schädigung ist abhängig von der Konzentration der ätzenden Stoffe, ihrer Menge und der Dauer der Einwirkung. Es gibt eine Vielzahl von Stoffen und Flüssigkeiten, die gleichzeitig Vergiftungen und Verätzungen bewirken können.

Verätzungen des Verdauungstraktes

Erkennen

* heftige Schmerzen
* vermehrter Speichelfluß infolge Schluckstörung
* Schleimhäute durch Beläge (häufig weißliche Verquellung) oder durch Blutung verändert

Gefahren

Verätzungen in diesem Bereich sind besonders gefährlich, weil Durchbrüche und später starke, narbige Verengungen zurückbleiben können, die die Speiseröhre für Speisen unpassierbar machen.

Erste Hilfe

* Mund ausspülen, anschließend
* sofort reines Wasser in kleinen Schlucken trinken lassen (Verdünnungseffekt)
* Niemals zum Erbrechen bringen!
Erbrechen bedeutet nochmalige Verätzung der Speiseröhre und des Mundes sowie die Gefahr eines Magendurchbruchs.
* Bei Einnahme von Waschmitteln (Kleinkinder) kann es nicht nur zur Reizung des Verdauungstraktes, sondern auch zur massiven Schaumentwicklung kommen. Das bedeutet Atemnot, Erstickungsanfälle und die Gefahr einer Lungenschädigung.
* Mund von Waschmittelresten säubern.
* Bei Schaumbildung und Atemnot 2-3 Eßlöffel Speiseöl verabreichen. (Verhinderung der Schaumbildung). Niemals Wasser trinken lassen, ohne vorher die Schaumbildung durch einen Entschäumer (z.B. SAB-Tropfen) oder Speiseöl gedämpft zu haben.
* Schockbekämpfung.
* Transport ins Krankenhaus veranlassen. (Vorgefundene Ätzmittel – möglichst mit Originalverpackung – zur Identifizierung ins Krankenhaus mitgeben; Selbstgefährdung vermeiden).

Unfallverhütung

Chemikalien im Haushalt:

* Giftige, ätzende, leicht entzündliche Chemikalien sollen möglichst wenig verwendet werden!
* Chemikalien immer im Originalgefäß aufbewahren, nie in Getränkeflaschen umfüllen!
* Etiketten und Beschriftung nicht beschädigen, nicht entfernen!
* Nie gemeinsam mit Lebensmitteln aufbewahren!
* Vor Anwendung immer Gebrauchsanweisung genau lesen und strikt befolgen! Empfohlene Schutzausrüstung verwenden und geforderte Vorsichtsmaßnahmen beachten!
* Konzentrate (z.B. Essigessenz) nie unverdünnt verwenden! Verdünnungsvorschrift genau befolgen!
* Niemals an einem Gefäß mit unbekanntem Inhalt riechen oder davon kosten bzw. trinken!
* Für Kinder unerreichbar aufbewahren oder wegsperren!
* Auch Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel können giftig oder ätzend sein.
* Richtig entsorgen! Nicht ins WC oder zum Hausmüll geben!
* Dieselben Hinweise gelten für Medikamente!